Biohof Lex
Anbau
vielfältige Getreidearten, Kartoffeln, Eier
Anbauverband

Lage
Emeling bei Bockhorn
36 km von München
Biopioniere seit 1979

Im Landkreis Erding, in Emling, einem Ortsteil der Gemeinde Bockhorn, liegt der Biohof Lex. Die Schwestern Bernadette und Raphaela Lex leiten den vielseitigen und naturlandzertifizierten Bio-Bauernhof mit Hofladen und Onlineshop. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts ist der Hof in Familienbesitz. Die eigene schwere Erkrankung in jungen Jahren hatte Vater Lorenz Lex zum Umdenken gebracht, hin zu einem gesunden Leben und hin zur biologischen Landwirtschaft.
Ab 1979 stellte er den ehemals typisch bayrischen Mischbetrieb auf Bioanbau um. Der Biohof Lex wurde der erste Bio-Betrieb weit und breit. Ein Bio-Bauernhof der Pionierarbeit leistete. So gehörte Lorenz Lex seit der Gründung dem Naturland-Verband an, experimentierte früh mit dem Anbau von Soja für Bio-Tofu und anderen Ackerpflanzen und erweiterte in den 80iger Jahren den Hof um eine Mühle und eine Getreidereinigungsanlage mit Dinkel-Entspelzung – selbst zusammengebaut aus verschiedenen Einzelteilen anderer Mühlen, die eine schonende Behandlung des Dinkels ermöglicht.
Man darf alles, man kann alles, aber man muss auch alles machen

Von klein auf haben die Schwestern alles auf dem Hof mitgemacht, sind reingewachsen in einen Biobetrieb, angefacht von der Leidenschaft des Vaters. Am Frühstückstisch wurde über gesunde Ernährung, Krankheit und "wie man alles wieder in den Griff kriegt" diskutiert und ein gesundes Selbstbewusstsein geprägt, dass die biologische Landwirtschaft das einzig Richtige ist. Der Weg in die Landwirtschaft war für die Schwestern vorgezeichnet: „Erst mit den Jahren ist mir klar geworden, dass das nicht nur Nachteile hatte, keinen Bruder zu haben. Ich musste immer fest mitarbeiten, durfte aber auch alles machen. Nie hat jemand gesagt: "das können Mädchen nicht." Ganz im Gegenteil, während mein Vater schwer krank war, führten wir Frauen (Mutter Elisabeth und ihre vier Töchter) den Hof weiter.“
Heute bauen die Schwestern Bernadette und Raphaela mit Hilfe von Angestellten, Auszubildenden und Praktikanten auf etwa 150 ha Land vor allem vielfältige Ackerkulturen an. Sorten, die gut sind für die menschliche Ernährung, gut schmecken und den Boden nähren. Bis zu 25 verschiedene Kulturen bauen sie an. Immer wieder experimentieren sie mit Neuem, zuletzt z.B. mit Mohn.
Der Boden ist unser Kapital – die Bodenlebewesen sind unsere wichtigsten Mitarbeiter!

Die Diversität schafft eine größere Flexibilität, vor allem in Zeiten des Klimawandels. Dinkel, Buchweizen, Hanf, Sojabohnen, diverse Urgetreidearten, Kümmel, Fenchel, Schafgarbe, Wilde Möhre, Mohn und Co. Es geht bunt zu auf den Feldern des Lex-Hofes. „Man muss viel mehr mit der Natur vorarbeiten“ sagt Raphaela Lex und so ist der Anbau der Pflanzen so abgestimmt, dass der Boden über die Pflanzenfolge nährstoffreich erhalten wird, ohne auf tierische Dünger angewiesen zu sein.
Die Vielfältigkeit der Fruchtfolgen wird durch eine feine Abstimmung von Gründüngung, Leguminosen, Untersaaten und Stilllegungen realisiert. Die meisten Leguminosen (Hülsenfrüchtler), also Lupinen, Linsen, Erbsen, Sojabohnen und Co., gehen in ihren Wurzelknöllchen eine Symbiose mit Bakterien ein, die Stickstoff aus der Luft im Boden anreichern. Lupinen, Buchweizen, Ackerbohnen, Linsen und Gräser wiederum schließen mehr Phosphor auf, als sie selbst benötigen. Somit stehen Phosphor und Stickstoff nachfolgenden Pflanzen zur Verfügung.
Gutes und Gesundes für die Umwelt und den menschlichen Körper produzieren

Alles selber machen ist die Devise. Die Aufgaben sind aufgeteilt und alle helfen mit. Raphaela Lex kümmert sich vorwiegend um den Ackerbau und die Getreidereinigung und Aufbereitung, die Verarbeitung übernimmt überwiegend Bernadette Lex. Auch die Hühner gehören zu ihrem Aufgabengebiet – die Resteverwerter des Hofs. Und der Hofladen wird von Mutter Elisabeth und Bernadette betrieben.
Das ist das Besondere am Biohof Lex: alle Prozesse, vom Anbau über Ernte, Trocknung, Reinigung bis hin zur Weiterverarbeitung finden vor Ort statt – ohne unnötige Transporte. Und jeder einzelne Schritt bedarf viel Erfahrung und Umsicht. So muss die Ernte z.B. erfolgen, wenn der richtige Reife- und Wassergehalt des Getreides erreicht ist. Darauf muss die schonende Trocknungsphase am Tag der Ernte abgestimmt werden, um Schimmel zu verhindern. Und all das langsam, bei niederen Temperaturen, um die Keimfähigkeit des Korns zu erhalten.
Ausbildungsbetrieb und Demonstrations-Hof für Ökologische Landwirtschaft

Die Prozessdichte auf dem Biohofs Lex prädestiniert ihn zum Demonstrations-Hof für Ökologische Landwirtschaft. Das Schulklassenprogramm „Erforsche die Vielfalt auf einem Biohof“ hat schon viele Schüler und Schülerinnen spielerisch an den Themenkomplex biologische Vielfalt in Verbindung mit Ökolandbau und Ernährung herangeführt. Mit Bodenuntersuchungen und Getreidequiz können die Kinder hier am Hof eigene Erfahrungen machen. Auch andere Interessierte können nach Voranmeldung Führungen erhalten, so auch unsere Kunden und Kundinnen bei einer unserer Jubiläumsfahrten im Juli 2022. Die Vermarktung der Produkte findet zum größten Teil über TAGWERK statt, jedoch auch über Märkte und den eigenen Hofladen. Zudem wird etwa die Hälfte der Erträge als Saatgut an andere Biohöfe über Naturland weiterverkauft. Die „Ausschussware“ – zu kleine Körner oder Linsen etwa, werden an die hofeigenen 400 Hühner verfüttert – echte Luxushühner. Die Spelzen vom Dinkel werden zu Stütz-, Nacht- oder Stillkissen weiterverarbeitet. Eine Kreislaufwirtschaft ohne Abfälle. Zudem ist der Biohof Lex ein Ausbildungsbetrieb für Landwirte und Landwirtinnen, Studierende von Landwirtschaft, Agrarmarketing und Agrarwissenschaften. Darüber hinaus können junge Menschen am Hof ihr Freiwilliges Soziales Jahr verbringen.
Pioniere im ökologischen Landbau – TAGWERK-Einblicke
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