Besuch auf dem Guidohof

Guidohof in Sachsen, Foto (c) Tatjana Schröter

Vom 27. bis 29. Juni 2019 fand das Ökokisten-Verbandstreffen auf dem sächsischen Guidohof statt. Die regelmäßigen Treffen dienen zum Kennenlernen, Vernetzen und Austauschen. Mitarbeiter/innen der verschiedenen Betriebe sollen so voneinander lernen, einander inspirieren und freilich auch miteinander feiern. Eine dreiköpfige Delegation der Isarland Ökokiste war zu Besuch auf dem Biohof in der Nähe von Limbach-Oberfrohna. Neben einer Besichtigung des Ökokisten-Betriebs bekam die Gruppe einen Einblick in die Schokoladenmanufaktur „Choco del Sol“ und den Gewürzhandel „Direkt vom Feld“ in Chemnitz.

Von der LPG zum Demeter-Hof

Lieferwagen der Ökokiste Guidohof

Der Guidohof wurde von der Familie Lucht im Andenken an den ehemaligen Hofbesitzer Guido Müller benannt. 1992 übernahm das Ehepaar Silke und Armin Lucht den Hof in Uhlsdorf, der nach einer wechselvollen Geschichte bis zur Wende als LPG geführt wurde. Die renovierungsbedürftigen Gebäude und der sanierungsbedürftige Boden stellten die Luchts, die mit zwei kleinen Kindern aufs Land zogen, vor eine große Herausforderung. Da die finanziellen Mittel bescheiden waren, aber die Begeisterung umso größer war, machten die beiden alles selbst. Das erforderte nicht nur viele Fertigkeiten, die sie ganz pragmatisch erlernten, sondern auch jede Menge Energie, Tatendrang und Mut. In den ersten Jahren beschieden sie sich mit einem Leben in Zirkuswägen, das von harter Arbeit und Entbehrung geprägt war. Im Zentrum standen für die Familie eine sinnerfüllte Tätigkeit für die Erwachsenen und viel Platz zum Spielen für die Kinder.

Mit der Hilfe von Nachbarn erweiterte die Familie über die Jahre ihre Anbaufläche. Schließlich konnten die beiden überzeugten Demeter-Landwirt/innen genug Gemüse kultivieren, um es regelmäßig auf verschiedenen Bauernmärkten und in Bioläden in der Nähe zu verkaufen. Die Luchts nahmen abgegebene Tiere auf, der Hof wuchs. Gleichzeitig nahm die Nachfrage nach den Produkten vom Guidohof rasant zu. Armin Lucht erweiterte das Angebot daraufhin um selbstgebackenes Brot aus dem Lehmbackofen, der aus einer alten Backstube stammt. Bald konnte die mittlerweile sechsköpfige Familie genug Gemüse und Brot in ihrem Hofladen verkaufen und über ihre Ökokiste liefern, um ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten.

Tatendrang trotz Rückschlägen

Trotz einiger Rückschläge durch Dürre- und Hochwasserjahre, die erneute Aufbauarbeit erforderten, verließ die Familie Lucht nie der Mut. Konstant erweiterten sie ihre Anbauflächen und die Anzahl der unterschiedlichen Gemüsekulturen. Vom Salat über Blatt-, Wurzel- und Fruchtgemüse bis hin zu Kartoffeln erzeugt der Betrieb das ganze Spektrum für eine ausgewogene Ernährung. Auf mittlerweile 30 Hektar erzeugt er sogar sein eigenes Brotgetreide. Auch die Jungpflanzenzucht nahm die Familie Luchte komplett selbst in die Hand. Ausschließlich samenfestes Saatgut verwendet sie dabei. Eine neue Halle wurde gleich mit einer Photovoltaikanlage bestückt, die den gesamten Strombedarf des Guidohofs umweltfreundlich produziert. Mit der Ausdehnung des Betriebs ist auch die Belegschaft gewachsen, die im Gemüseanbau, in der Bäckerei, im Hofladen und im Ökokisten-Vertrieb tätig ist.

Martin und Heike von der Isarland Ökokiste

So viel Tatendrang und Innovationsgeist beeindruckte die Kolleg/innen. Nach der spannenden Hofführung rundeten das gemeinsame Abendessen aus der regionalen Spezialität „Mutzbraten“ mit frischem, selbstgemachtem Sauerkraut und der anschließende Tanz auf dem Hof einen gelungenen Tag ab. Satt und glücklich freuten sich die weitgereisten Kolleg/innen auf das angekündigte weitere Programm.

Frische Kräuter aus aller Welt

Richard Friedrich von „Direkt vom Feld“, (c) www.direktvomfeld.eu

Den Gewürzhandel „Direkt vom Feld“ und seine Produkte lernten die Kolleg/innen beim gemeinsamen Kochen des Mittagessens mit dem Mitgründer und Mitgeschäftsführer Richard Friedrich kennen. Bei Salat, Vanille-Blumenkohl, Rote-Bete-Reis und Curry experimentierten die neugierigen Hobbyköch/innen mit exotischen Aromen. Mit seiner ersten Unternehmung, der Gewürzkampagne, sammelte er bereits im Vorfeld Erfahrungen mit der Direktvermarktung von nachhaltig erzeugten Gewürzen. Auf zahlreichen Reisen zu den Erzeuger/innen erweiterte er sein Wissen über Kräuter und Gewürze, das er gerne weitergibt.

Vom fair gehandelten Kakao bis zur handgeschöpften Schokolade

Patrick Walter von der Schokoladenmanufaktur Choco del Sol in Burgstädt

Das zweite sächsische Start-up, das die Kolleg/innen beim Ökokistentreffen kennenlernen durften, ist die Schokoladenmanufaktur Choco del Sol in Burgstädt, die in Kooperation mit der Non-Profit-Organisation „Toledo Cacao Growers Association“ (TCGA) nachhaltig erzeugten Kakao aus dem zentralamerikanischen Belize in Deutschland fair vermarktet. Bei einer gemeinsamen Fahrradtour in Mittelamerika lernte der Gründer Patrick Walter die wunderbare Welt des Maya-Kakaos kennen und den fairen Handel schätzen. Die nicht gewinnorientierte Zusammenarbeit mit Bio-Kakao-Kooperativen vor Ort wollte er unterstützen, indem er den hochwertigen Bio-Kakao in Deutschland zu feiner handgeschöpfter Schokolade verarbeitet. Die spannende Geschichte des jungen Unternehmens erfuhren die Ökokisten-Mitarbeiter/innen beim Probieren von Bio-Rohkakao und Schöpfen ihrer eigenen Schokoladentafeln.

Begeistert und inspiriert von so viel Tatendrang, Mut und Kreativität kehrten die drei Kolleg/innen nach drei erlebnisreichen Tagen aus Sachsen zurück.

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