Gärtnerei Obergrashof

im Sortiment

Salate, Kräuter, Blattgemüse, z.B. Mangold, Fruchtgemüse, Wurzelgemüse, vor allem Rettich, Karotten, Kohlrabi, Blumenkohl und Kresse.

Anbauverband & Lage

DemeterZwischen Dachau und Oberschleißheim, 25 km von München entfernt

Die Gärtnerei
  • Bio-Anbau seit 1990
  • Saatgutzüchtung und -vermehrung
  • Demeter-zertifiziert
  • Ausbildungsbetrieb

Altes Gut mit neuem Leben

Gräben, Bachläufe und Hecken, die das städtische Gut Obergrashof umgeben, sorgen für ein optimales Mikroklima und kleinteilige Strukturen, die einer Vielfalt an Nutzinsekten, Vögeln und Kleintieren Lebensraum bieten. Die Renaturierungsmaßnahmen der Stadt München, die Blühstreifen und Hecken umfassen, vernetzen die Ackerflächen mit der umgebenden Landschaft.  Auf einer weitläufigen Fläche von über 100 Hektar Freiland und 1500 Quadratmeter Folientunnel werden über 50 verschiedene Gemüsearten naturnah angepflanzt.

Die Betriebsleiter Julian Jacobs und Peter Stinshoff bewirtschaften den Hof mit der spannenden, wechselvollen Geschichte gemeinsam mit sechs ansässigen Familien, 25 festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bis zu 25 Saisonarbeitern und acht Lehrlingen. Ein waldorforientierter Bauernhofkindergarten sorgt seit 2011 für die weitere Belebung des Betriebs. Innovative Maßnahmen bei Energie- und Wasserversorgung lassen den Betrieb eine ökologische Vorreiterfunktion einnehmen: Der Strom wird trotz Mehrkosten komplett aus regenerativen Energien gewonnen, der Bau eines Brunnens senkte den Trinkwasserverbrauch um 75 Prozent, eine Flüssiggasbrennwerttherme heizt die Gewächshäuser.

Zusammenleben von Mensch und Tier

Obergrashof - Kohlrabiernte

Um die Fruchtbarkeit der Felder zu erhalten bzw. zu reaktivieren, setzt der Obergrashof auf eine Kombination aus Gemüse- und Getreideanbau sowie Tierhaltung. Bei der Auswahl der Gemüsekulturen für den Anbau achten Julian Jacobs und Peter Stinshoff auf möglichst große Vielfalt, um eine einseitige Belastung des Bodens zu vermeiden. Der Anbau von Gemüse, Hülsenfrüchten (Leguminosen), Getreide und Futtergräsern ist in einer klugen Fruchtfolge aufeinander abgestimmt: schwach zehrende Pflanzen folgen stark zehrenden und daraus resultieren Erholungsphasen für den Boden. Leguminosen reichern Stickstoff im Boden an, der den nächsten Gemüsekulturen als Nährstoff dient. Gräser und Getreide stabilisieren mit ihren Wurzeln den Boden und bewahren ihn vor Ausschwemmungen und dienen als Futter und Einstreu für die eigene Rinderhaltung. Die Rinder liefern wiederum Mist, der mit biologisch-dynamischen Präparaten angereichert wird. Aus dieser Mischung entsteht wertvoller Dünger für die Gemüsekulturen. Mit dieser Methode schaffen die Betreiber des Obergrashofs eine in sich geschlossene Landwirtschaft, deren vielfältige Wechselbeziehungen dazu führen, dass keine Energie verloren geht und aus allem Leben entsteht.

Im Jahr 2008 führte der Obergrashof für den Gemüsebau eine Dammkultur ein, bei der die Pflanzen erhöht auf einem angehäufelten Damm wachsen, ähnlich wie im Kartoffelbau. Anstatt den Boden mit einem herkömmlichen Pflug aufzureißen, strukturieren die Gemüsebauern mit einem Häufelpflug die Felder und arbeiten dabei Ernterückstände, Gründüngung und Kompost in den gut durchlüfteten und wasserführenden Damm ein. Dort verrotten sie optimal ohne Fäulnisvorgänge und ergeben einen nährstoffreichen Boden. Die Dämme bieten zudem eine vergrößerte Oberfläche für die Erwärmung des Wurzelraums durch Sonneneinstrahlung. Das Beikraut wird mechanisch durch Hacktechnik reguliert, die durch minimale Eingriffe das Bodenleben schont. Durch dieses ausgefeilte System und den kompletten Verzicht auf Düngemittelzukäufe konnte die Menge des eingebrachten Düngers auf lediglich zehn Kilogramm Stickstoff pro Hektar gesenkt werden, einer der landesweit niedrigsten Werte im Bereich des Gemüsebaus.

Innovative Saatgutzucht

Obergrashof - Kultursaatgut e.V.

Neben dem Anbau ist auf dem Obergrashof auch die Nachzucht von Gemüse ein großes Thema. Der Gartenbauer Julian Jacobs vermehrt Saatgut für die Bingenheimer Saatgut AG und entwickelt neue Chicorée-, Gelbe Rüben-, Rettich- und Kohlrabisorten im Auftrag von Kultursaat e.V. So entstand beispielsweise die Kohlrabisorte „Rasko“, die im Jahr 2010 vom Bundessortenamt neu zugelassen wurde. Bei „Rasko“ handelt es sich um eine alte Sorte, die aus dem biologisch-dynamischen Gartenbau der 1960er Jahre stammt und bisher nicht für den Markt zugelassen war. Um ein Zeichen gegen die Patentierung und Monopolisierung von Saatgut zu setzen, hat Julian Jacobs die Rechte an „Rasko“ auf den Verein Kultursaat e.V. übertragen, damit er zum Gemeingut wird. Julian Jacobs begründet diesen Schritt damit, dass Sorten Kulturgut seien: „Sie müssen der Menschheit zur Verfügung gestellt werden. Nur so verhindern wir Abhängigkeiten und sichern unsere Nahrungsgrundlagen.“

Mit den Gelben Rüben „Milan“ und „Rodelika“ begann der Obergrashof, in der Vermarktung die bis dahin unüblichen Sortenbezeichnungen für Gemüse einzuführen. Ähnlich wie in der Apfelzucht gibt es vielfältige Gemüsesorten, die Unterschiede in Geschmack, Konsistenz und Kocheigenschaften aufweisen. So eignet sich „Milan“ vorzugsweise für Rohkost, während „Rodelika“ besser für gekochte Gerichte passt. Diese Kennzeichnung kommt zum einen den Verbrauchern zugute, weil sie das jeweils passende Gemüse aussuchen können. Zum anderen weisen die Bezeichnungen auf die Vielfalt der Gemüsesorten und die Besonderheiten hin, die im biologischen Landbau erzeugt werden. Auch ihr Anliegen, in der Gemüsezucht auf samenfeste statt auf hybride Sorten zu setzen, unterstreichen Julian Jacobs und Peter Stinshoff mit dieser Deklaration.

Für diese Vielseitigkeit und Innovationskraft wurde dem Obergrashof im Jahr 2012 der „Förderpreis Ökologischer Landbau“ verliehen.