Wassermelonen, Zitronengras und Auberginen – typisch Niederbayern

Die nährstoffreichen Schwemmböden von Donau, Vils und Isar bieten optimale Bedingungen für den Gemüsebau. Deshalb wird in diesen Flusstälern der Großteil des bayerischen Gemüses kultiviert. Vor allem konventionelle Betriebe, die auf großen Flächen produzieren, bestimmen das Bild dieser sanft hügeligen Landschaft mit den Gipfeln des Bayerischen Waldes am Horizont. Doch in den 1980er Jahren haben einige Landwirt/innen erfolgreich gegen die üblichen Methoden des Landbaus, wie sie in den Landwirtschaftsschulen gelehrt werden, rebelliert. Gegen alle Widerstände haben sie aus Überzeugung Öko-Betriebe aufgebaut. Seither beschreiten sie neue Wege in der Vermarktung und bauen mit ungebrochener Experimentierlust und Neugier exotische Kulturen an, die bisher importiert werden mussten. Wassermelonen, Süßkartoffeln, Zitronengras und Auberginen machen sie in Bayern heimisch und sorgen so dafür, dass wir im Sommer auf lange Transportwege verzichten können. Die Isarland Ökokiste ist stolz darauf, dass diese Pioniere des Bio-Gemüsebaus zu ihren Lieferanten gehören. Vor allem in den Sommermonaten finden Sie frisches niederbayerisches Obst und Gemüse in unserem Sortiment. Deshalb stellen wir Ihnen die Erzeuger hier vor.

Sibirische Gurken und Meterbohnen in Kößnach

Lydia Hecht in ihrem Wurzelgarten

Um ein Bild von der aktuellen Ernte zu bekommen und mit den Produzent/innen zu sprechen, machten sich im Juli einige Kolleg/innen auf die Reise nach Straubing. Empfangen hat sie auf der ersten Etappe Lydia Hecht, die zusammen mit ihrem Partner Martin Wiethaler den Bioland-Betrieb „Gemüsebau Wiethaler“ bewirtschaftet. Im Straubinger Ortsteil Kößnach liegt der Wurzelgarten, das Herzensprojekt von Lydia Hecht. In diesem Selbsterntegarten kultiviert sie über 60, teils sehr alte Tomatensorten, vielfältige Gurkensorten, wie beispielsweise die Braune Sibirische Gurke, unterschiedliche Bohnensorten, wie die nach ihrer Länge benannte „Meterbohne“, exotische Melonensorten, Physalis, Ananaskirschen und Beeren soweit das Auge reicht. Der Wurzelgarten ist ein Paradies für Fans von alten Gemüsesorten, Neugierige und Gourmets. Lydia begeisterte beim Rundgang mit ihrem Enthusiasmus für den Bio-Landbau. Das Entdecken von neuen und alten Sorten macht ihr sichtbar Freude, aber auch zufriedene Kund/innen bereiten ihr Vergnügen. Damit diese in Ruhe ernten und entdecken können, hat sie einen Picknickplatz und einen Kinderspielplatz aufgebaut. Auch den Austausch mit ihren Kund/innen schätzt Lydia sehr: So stammt das Rezept für Meterbohnen, das auf einem Schild im Bohnenhaus zu lesen ist, von einer chinesischen Kundin, die sich über das Gemüse aus der Heimat sehr freute.

Der Wurzelgarten ist aber nicht nur ein fantastischer Selbsterntegarten, in dem man nach Herzenslust exotisches Gemüse entdecken und seinen Speiseplan erweitern kann. Er ist auch die „Kinderstube“ des Betriebs. Denn auf den Gemüseäckern der Wiethalers werden einige der Kulturen, mit denen Lydia im Wurzelgarten anfangs experimentiert hat, später für die Vermarktung über Bio-Großhändler und Ökokisten angebaut. Für einige Kulturen wird das Saatgut dort vermehrt, für andere werden die Anbaubedingungen getestet. So haben es die Wassermelonen beispielsweise aus dem Wurzelgarten auf die Felder geschafft. Was 2009 als Erdbeerfeld zum Selbsternten begann, ist inzwischen zum Paradies für Obst- und Gemüsevielfalt geworden. Zum Zeitpunkt des Besuchs waren die Melonen leider noch nicht reif, dafür konnten die „Isarländler“ bei der Zucchiniernte zuschauen. Ein großer Teil des beliebten Gemüses, das in den Ökokisten und Bioläden in Bayern angeboten wird, stammt von den Äckern, die Lydia Hecht und Martin Wiethaler bewirtschaften.

Zitronengras und Süßkartoffeln in Landau

Monika und Rudi Waas in ihrem Gewächshaus

Ebenfalls in den 1980er Jahren entschied sich Rudolf Waas in Zeholfing bei Landau für den ökologischen Landbau. Die Hofstelle des gastfreundlichen Ehepaars Monika und Rudi Waas liegt am Isarufer, die Äcker und Gewächshäuser befinden sich größtenteils auf fruchtbarem Schwemmland. Sie war das zweite Ziel der Besuchergruppe aus Taufkirchen. Die hohe Qualität der Zwiebeln, die Monika und Rudi Waas an die Isarland Ökokiste liefern, machte die Kolleg/innen neugierig auf deren Anbaumethoden. Der erfahrene Bio-Landwirt, der erfolgreich einen viehlosen Bioland-Betrieb aufgebaut hat, führte mit seiner Ehefrau Monika Waas über seine Äcker und durch die Gewächshäuser. Neben der sorgfältigen Bodenpflege durch Fruchtwechsel, Leguminosenanbau und die Bodenbearbeitung mit Hilfe eines selbstkonstruierten Geräts („Liefter“), setzen die Waasens auf die eigene Jungpflanzenzucht. Besonders bei krankheits- und schädlingsanfälligen Kulturen wie Zwiebeln, können sie so im Vorfeld vorbeugen. Anstatt Setzzwiebeln aus den Niederlanden zu kaufen, die oftmals mit schädigenden Mikroorganismen kontaminiert sind, greift das Gärtnerpaar lieber auf eigenes Saatgut zurück. Das ist zwar ein zeit- und arbeitsaufwendiges Verfahren, aber für Rudi Waas ist Vorbeugen der Königsweg im ökologischen Landbau. Das Saatgut vermehren die beiden leidenschaftlichen Gärtner/innen selbst, indem sie die schönsten und kräftigsten Zwiebeln, Kohlrabis oder Rettiche ausreifen lassen und die Samen ernten.

In den Gewächshäusern, die in der kalten Jahreszeit für die Jungpflanzenanzucht genutzt werden, reifen im Sommer Datteltomaten und Gurken. Eines der Gewächshäuser ist mittlerweile das Labor ihres Sohns, der in die Fußstapfen der Eltern tritt und an der Uni Kassel in Witzenhausen Ökologische Agrarwissenschaften studiert. Aus einem Studienprojekt erwuchs seine Zitronengraszucht. Am Ufer der Isar durch Zitronengras zu waten, ist ein recht exotisches Erlebnis. Es hat dazu geführt, dass sich die Kund/innen der Isarland Ökokiste nun über regionales Zitronengras freuen dürfen. Am Anbau von Ingwer und Kurkuma wird im Hause Waas auch schon getüftelt.

Nachhaltige Liefergemeinschaft

Waltraud Stockner auf dem Radieschenacker

Anfangs hatten die niederbayerischen Bio-Gemüsegärtner mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Höfe etwas abseits von den Absatzmärkten liegen. Doch in Niederbayern lässt sich fast jedes Problem im Wirtshaus lösen. So überzeugte Helmut Laurer, dessen Bioland-Hof sich in der Nähe von Landau befindet, seine Kollegen Martin Wiethaler, Rudi Waas und Josef Stockner von einer Kooperation. Gemeinsam zu schaffen liege nicht im niederbayerischen Naturell, erläutert Helmut Laurer augenzwinkernd. Zumal die vier Agrarrebellen auch noch Einzelkämpfer waren. Sie schafften es dennoch, sich zusammenzuraufen. Von Vorteil waren dabei auch die Verwandtschaftsverhältnisse: Waltraud Stockner und Rudi Waas sind Geschwister. Also probierten sie es mit einer Liefergemeinschaft, bei der alle Erzeugnisse zu einer zentralen Sammelstelle geliefert und von dort zum Großhandel bzw. an die Ökokisten gefahren werden. Das sparte viel Zeit und Energie. Und weil Pragmatik durchaus dem niederbayerischen Naturell entspricht, weiteten die Bio-Landwirte ihre Kooperation sukzessive aus. Auf dem Demeterhof Stockner in Enzerweis bei Eichendorf wurde schließlich eine gemeinsame moderne Wasch- und Verpackungshalle gebaut.

Die Kooperation klappt trotz anfänglicher Skepsis bestens. Mittlerweile haben die vier Erzeuger die Planung und den Anbau ihrer Kulturen ohne weitere Absprache so gut aufeinander abgestimmt, dass sie einander perfekt ergänzen. So können „die Niederbayern“ während der ganzen Saison lückenlos unterschiedlichste Kulturen liefern. Der Demeterhof Stockner hat sich auf Freilandkulturen, wie Salate, essbare Blüten, Sellerie und Kohlrabi spezialisiert. Der Hofnachfolger Alexander Stockner sorgt während der Brotzeitsaison für fortlaufenden Radieschen-Nachschub. Der heiße und trockene Juli macht allerdings den Gemüsegärtnern zu schaffen. So leiden z. B. die Radieschen unter Trockenheitsstress. Sie entwickeln ein sehr scharfes Aroma, das nicht dem allgemeinen Geschmack entspricht, sodass sie nicht mehr vermarktet werden können. Auch Erdflöhe setzen dem Wurzelgemüse stark zu. Während die konventionellen Kollegen zur Spritze greifen, schützen die Bio-Gärtner/innen ihre Radieschen erfolgreich mit feinmaschigen Netzen vor den Blattkäfern. Die Klimaerhitzung, mit der die Absenkung des Grundwasserspiegels einhergeht, fordert die Landwirt/innen bereits jetzt stark heraus.

Himbeeren und Auberginen mit Blick auf den Bayerischen Wald

Familie Laurer mit ihrer Jungpflanzenzucht

Der Bio-Gemüsebau geht in Niederbayern mittlerweile in die zweite Generation. Die Kinder der Familie Laurer probieren ebenso wie die der Familie Waas gerne Neues aus. Auch sie bekommen elterliche Unterstützung, um ihre eigenen Wege zu gehen. Sowohl Rudi Waas als auch Helmut Laurer stießen mit ihrem Wunsch, ökologischen Gemüsebau zu betreiben, auf das Unverständnis ihrer Eltern. Vielleicht ist es ihnen als Väter deshalb ein umso größeres Herzensanliegen, die Neugier und das Engagement ihrer Kinder zu fördern. Während sich Julia Laurer nach ihrer Ausbildung zur Floristin auf den ökologischen Anbau von alten Rosensorten spezialisiert, widmet sich Michael Laurer dem Obstbau auf dem elterlichen Hof. Er ist gelernter Obstbauer und baut das Beerensegment der Laurers weiter aus. Die Leidenschaft für den Obstbau ist in seinen Ausführungen für die Besuchergruppe deutlich erkennbar. Neben den Himbeeren und Brombeeren, die zurzeit auch bei der Isarland Ökokiste erhältlich sind, pflanzt er seit diesem Jahr auch Tafeltrauben. Auf dieses Experiment können wir gespannt sein.

Die Eltern Helmut und Christa stehen mit ihrer Erfahrung zur Seite, sind aber auch offen für das Wissen ihrer Kinder. Das verlangt auch Mut. Doch den hat Helmut bereits in den 1990ern bewiesen, als er seinen Beruf als Kfz-Mechaniker an den Nagel hing, um die elterliche Landwirtschaft zu übernehmen und umzustrukturieren. Mit beeindruckender Konsequenz betrat Helmut Laurer immer Neuland, wenn ihm die ausgetretenen Wege nicht mehr sinnvoll erschienen. So kehrte er der Milchviehwirtschaft den Rücken und baute einen Gemüsebau-Betrieb auf. Nicht lange belieferte er mit seinen Gurken die Konservenproduzenten der Region, da suchte er eine Alternative zur zerstörerischen Dynamik der konventionellen Landwirtschaft. So stellte er 1997 auf den Gemüsebau nach Bioland-Richtlinien um. Dort fand er die Wertschätzung gegenüber den Landwirt/innen und deren Produkten, an der es in der konventionellen Lebensmittelindustrie fehlte. Gegen eine faire Entlohnung war er gerne bereit, seinen Betrieb noch einmal neu zu organisieren und mehr Arbeit zu investieren. Mittlerweile haben er und seine Frau Christa sich als DIE Produzenten von regionalen Bio-Paprikas etabliert. Der Name „Laurer“ steht auch für Auberginen, Chilis und Physalis in bester Bioland-Qualität. Die Essiggurken und eingelegten Paprikas aus eigener Produktion sind den Isarland-Kund/innen ebenfalls bestens bekannt. Sie sorgen für niederbayerische Vitamine auch im Winter. Helmut Laurer ist ein unabhängiger Geist, dem die Qualität seiner Produkte und die Wertschätzung dafür wichtig sind. Deshalb baut er auf die eigene Jungpflanzenzucht und eine durchdachte Bodenpflege zur Gesunderhaltung seiner Kulturen sowie auf die Direktvermarktung. Die Laurers haben ihre Nische gefunden. Angesichts des Preiskampfs in der Lebensmittelbranche und der Klimaerhitzung sind sie ebenso wie die Betriebe Wiethaler, Waas und Stockner vor eine neue Herausforderung gestellt.

Zurück

Einen Kommentar schreiben