Spargelernte in Coronazeiten

Beate Mayer

In vielen landwirtschaftlichen Betrieben ist momentan Pflanzzeit, bei anderen steht schon die Erntezeit vor der Tür. Vielerorts fehlt es, bedingt durch die Einreisebeschränkungen, derzeit aber an Saisonkräften aus dem Ausland. Wir haben bei unserer Inhaberin und Spargelbäuerin Beate Mayer nachgefragt, wie die aktuelle Situation auf dem von ihrem Mann Sepp Keil betriebenen Biolandhof ist. Dort auf der Spargelinsel in der Donau werden neben Abensberger Spargel auch Erdbeeren angebaut.

 

Wie ist die aktuelle Situation bei euch am Biolandhof – habt ihr genügend Helfer?

Spargelstechen eine Kunst für sich

Beate Mayer: Seit letztem Donnerstag ist die Situation stabil und wir haben ausreichend Mitarbeiter. Zehn Saisonarbeiter aus Rumänien waren schon vor Inkrafttreten der Beschränkungen bei uns. Vergangene Woche sind glücklicherweise noch einmal zwölf Helfer aus Rumänien dazu gekommen. Es war aber bis zuletzt eine Zitterpartie. Wir wussten bis zur Ankunft des Flugzeugs am Donnerstag in Baden-Baden nicht, ob wir genügend qualifizierte Helfer für diese Saison bekommen werden. Aufgrund dieser Unsicherheiten sind wir später als geplant in die Spargelsaison gestartet.

Für die Erdbeerernte, die ab Mitte Mai startet, müssen wir noch eine gute Lösung finden. Wir benötigen mindestens 15 gute Pflückerinnen, die wir mit den derzeitigen Vorgaben allerdings nicht mehr bei uns am Hof unterbringen können.

Ist es nicht auch möglich, wie das Landwirtschaftsministerium vorgeschlagen hat, auf inländische Helfer zu setzen?

Beate Mayer: Eine Gruppe von Studenten und Gastronomiemitarbeitern helfen uns beim Sortieren in der Spargelhalle. Es freut uns sehr, dass das so gut geklappt hat und sich so schnell ein nettes Team formiert hat.

Die Arbeit auf dem Feld hingegen, ist für ungelernte Kräfte schlichtweg nicht machbar. Zu denken, das könne mit einer kurzen Einweisung doch jeder, ist Augenwischerei. Wir haben es probiert, aber Spargelstechen ist ein Job für Facharbeiter und braucht jahrelange Erfahrung und Geschick. Um bezahlbaren Spargel anbieten zu können, sind wir auf Mitarbeiter angewiesen, die 16 – 20 kg Spargel in der Stunde stechen können. Saisonkräfte die das schaffen, beschäftigen wir teilweise schon seit Jahren oder Jahrzehnten in der Spargelsaison bei uns auf dem Hof. Alle von ihnen kommen aus dem Ausland.

Helfer in der Sortierhalle

Welche besonderen Maßnahmen ergreift ihr in der aktuellen Situation?

Beate Mayer: Wir haben unsere Mitarbeiter in drei verschiedene Gruppen aufgeteilt, die aktuell keinen Kontakt zueinander haben dürfen. Auf dem Feld arbeiten unsere Spargelgruppe 1, mit unseren rumänischen Helfern, die schon mehrere Wochen bei uns sind. Ebenfalls auf dem Feld, aber an ganz anderen Stellen, arbeitet Spargelgruppe 2, das sind die Saisonkräfte, die vergangene Woche erst aus Rumänien zu uns gekommen sind. Mitarbeiter aus diesen beiden Gruppen wohnen auch bei uns am Hof. Anders als in den Jahren zu vor, braucht jeder von ihnen ein eigenes Zimmer. Gemeinschaftsduschen und -küchen dürfen nicht zu dicht belegt werden und wir müssen täglich zweimal alle Gemeinschaftseinrichtungen desinfizieren.

Die dritte Gruppe ist unser Sortierteam mit Helfern aus der näheren Umgebung. Diese kommen gemeinsam in zwei Autos und dürfen auch keinen Kontakt zu unseren anderen beiden Gruppen haben.

Alle Mitarbeiter arbeiten mit Mundschutz und Handschuhen, wir haben Desinfektionsflaschen an jeden Mitarbeiter verteilt und drei Mitarbeiter übernehmen den Desinfektionsrundgang in den verschiedenen Häusern, Autos und in der Spargelhalle.

Spargel auf dem Feld

Wird es wegen der Krise insgesamt weniger Spargel geben und wie wird sich der Spargelpreis entwickeln?

Beate Mayer: Aufgrund der unsicheren Lage bei den Spargelfachkräften sind wir später in die Saison gestartet. Es macht keinen Sinn Spargel aufzudämmen und mit Folien zu bedecken, den man dann nicht ernten kann. Preislich wird der Spargel etwa 15 % über den Vorjahrespreisen liegen. Das hängt vor allem mit den Folgekosten, der schon genannten zusätzlichen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen zusammen und damit, dass viele unserer Facharbeiter, die um einiges effektiver als unsere Neulinge arbeiten, zuhause in Rumänien sind.

Was ist bei euch sonst noch anders, als zu Nicht-Corona-Zeiten?

Beate Mayer: Eines vorneweg: Wir sind wahnsinnig froh, überhaupt arbeiten und unsere Waren verkaufen zu können – das ist ein großes Glück!

Manches ist tatsächlich umständlicher und schwieriger geworden. Neben dem Aufwand, die neuen Maßnahmen stringent umzusetzen, ist es eine Herausforderung unsere Mitarbeiter, aber auch einige Kunden bei uns an den Ständen immer wieder an die Abstandsregeln zu erinnern. Schwierig ist auch der Lebensmitteleinkauf. Weil unsere neu angekommenen Mitarbeiter noch nicht einkaufen dürfen, besorgen wir die Lebensmittel für alle unsere Mitarbeiter – aber Großeinkäufe sind derzeit nicht so gern gesehen. Eine Herausforderung ist es außerdem, für unsere Verkaufsstände jüngere Leute zu finden. In den letzten Jahren haben sehr oft Rentner bei uns an den Ständen verkauft. Sie wollten sich einerseits in der Saison etwas dazu verdienen, haben andererseits aber auch den direkten Kundenkontakt sehr genossen. Das geht jetzt nicht mehr, wir möchten niemanden aus besonders gefährdeten Gruppen einem extra Risiko aussetzen.

Es gibt, bei all den zusätzlichen Hürden, aber auch positive Begleiterscheinungen für uns. Wir bekommen vom besten Wirtshaus am Ort, dem Wirtshaus Perzl, für alle Mitarbeiter das Mittagessen in Portionsschalen zum Abholen bereitgestellt.  Wir merken, dass die teils in den letzten Jahren sehr strengen Vorgaben des Handels, etwas an Gewicht verlieren: Wie dünn oder wie weiß der Spargel ist, spielt aktuell eine untergeordnete Rolle. Beim Liefern spüren wir durch freie Fahrt auf den Straßen eine deutlichere Entspannung. Und unabhängig davon ist es auch bei uns im Ort viel ruhiger geworden und in der Nacht genießen unsere Mitarbeiter und wir, endlich mal wieder die Sterne funkeln zu sehen – ein kleiner aber schöner Trost in stürmischen Zeiten.

Alles Gute für die kommenden Erntewochen und vielen Dank für das Gespräch, Beate!

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Kommentar von Beate Schley |

Das ist toll und bewundernswert, wie der Biohof mit der Situation umgeht!