Aus Leidenschaft stur

(c) Schrozberger Milchbauern

Im fränkisch geprägten Landkreis Schwäbisch-Hall, der unmittelbar an Bayern grenzt, liegt der Ort Schrozberg. Dort ist die Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken eG angesiedelt, die unter dem Markennamen „Schrozberger Milchbauern“ firmiert. Das besondere an dieser Molkerei ist nicht nur, dass die Geschäfte allein in der Hand der Milchbauern und -bäuerinnen liegen und diese ihre Entscheidungen unabhängig von Banken und Aktionären selbst treffen. Es handelt sich auch um eine der ersten und inzwischen sogar bundesweit die größte Demeter-Molkerei. Die Genossenschaft verarbeitet rund 17 Mio. kg Milch nach Demeter-Richtlinien und hat weltweit das größte Sortiment an Demeter-Milchprodukten im Angebot. Für diese 45-jährige Erfolgsgeschichte war ein langer Atem der Genoss/innen nötig. Auf dieses Beharrungsvermögen oder, wie sie selbst sagen, die „Sturheit“ sind sie stolz.

Demeter mit großer Tradition

Die Marke „Schrozberger Milchbauern“ steht für besonders hochwertige Milchprodukte aus Süddeutschland. Dass im Hohenlohischen so viele Demeter-Landwirt/innen angesiedelt sind, ist kein Zufall. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Kirchberg an der Jagst die Bauernschule Hohenlohe aufgebaut. Dort wird seither die biodynamische Wirtschaftsweise, die Rudolph Steiner formulierte, weitergegeben. Auch die daraus resultierende Vielfalt der Demeter-Milchbauern und -bäuerinnen vor Ort garantiert den großen Erfolg der Schrozberger Molkerei. Was aber ist so besonders an Demeter-Milch? Zunächst unterliegen alle Bäuerinnen und Bauern, die nach den Richtlinien der Öko-Anbauverbände wirtschaften, strengeren Auflagen zur Einhaltung des Tierwohls. Dazu gehören Kriterien wie der Umfang des Tierbestands, die Größe der Stall- und Außenflächen, der Auslauf oder Weidegang, die Qualität des Futters, physische Eingriffe sowie Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Tiere.

Was zeichnet die Demeter-Milchviehwirtschaft aus?

Bei Demeter ist wie bei anderen Bio-Anbauverbände der Tierbestand an die Fläche des Betriebs gebunden. Das garantiert einer Milchkuh sechs Quadratmeter Stallfläche mit mindestens 4,5 Quadratmeter Außenfläche, auch der Weidegang oder Auslauf ist vorgeschrieben. Mindestens 80 % des Futters für die Milchkühe muss Demeter-zertifiziert sein, der Anteil des betriebseigenen Futters liegt bei mindestens 50 %. Damit wird nicht nur die Kreislaufwirtschaft auf dem Hof, sondern auch die Regionalität der erzeugten Lebensmittel gewährleistet. Tiermehl, Zusatzstoffe und Antibiotika oder Hormone sind zudem tabu. Zur Gesunderhaltung und Heilung werden naturheilkundliche Mittel eingesetzt. Da bei der Fütterung viel Wert auf einen hohen Anteil an Grünfutter anstelle von Silage und Kraftfutter gelegt wird, ist die Milchleistung der Tiere geringer. Dafür kann die Milch mit umso mehr wertvollen Inhaltsstoffen punkten. Ein weiterer zentraler Aspekt in der Demeter-Tierwirtschaft ist der Verzicht auf das schmerzhafte Enthornen der Rinder. Zum Tierwohl gehört auch eine möglichst tiergerechte Aufzucht der Kälber. Bei Demeter-Milchbauern dürfen die Kälber nach der Geburt etwas länger bei ihren Müttern bleiben als das in der konventionellen Milchviehwirtschaft üblich ist. Danach leben sie in Gruppen statt isoliert. Da diese Maßnahmen für das Tierwohl jedoch noch nicht ausreichen, stellen einige Demeter-Betriebe bereits auf mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht um.

Traditionelle Milch und Langzeitsäuerung

Auch bei der Verarbeitung der Milch geht Demeter einen anderen Weg: Der Anbauverband erlaubt nur die Pasteurisierung und schließt die Homogenisierung aus. So bleibt die Struktur der Milch intakt, was am Rahmpfropf in der Milchflasche sichtbar wird. Dieser ist ein Qualitätsmerkmal, kein Mangel. Traditionell hergestellte Milch bildet eine gute Grundlage für hochwertige Joghurts und Quarkspeisen. Bei der Weiterverarbeitung setzen die Schrozberger Milchbauern ebenfalls auf aufwendigere Methoden, wie die Langzeitsäuerung und authentische Zutaten. Wo Erdbeere draufsteht ist auch Erdbeere drin.

Wertschätzung für Kühe, Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucher/innen

Bei all diesen Sonderwegen geht es jedoch nicht um Luxus. Vielmehr ist diese Produktionsweise von der Wertschätzung gegenüber den Lebewesen und den Lebensmitteln geprägt. Deshalb entwickeln die Demeter-Milchbauern die Tierwohl-Maßnahmen weiter und deshalb sorgt die Molkereigenossenschaft für eine faire Entlohnung ihrer Milchbauern. Und sie verfolgen diesen Weg – stur eben.

Foto: (c) Schrozberger Milchbauern

Zurück

Einen Kommentar schreiben