Biolandhof Braun

im Sortiment

Schnittkäse und Brie

Anbauverband & Lage

BiolandTAGWERK

Dürneck bei Freising, 28 km von München entfernt

Der Betrieb
  • TAGWERK-Hofkäserei
  • seit 1988 ökologischer Landbau
  • Regenerative Landwirtschaft mit Agroforst
  • Pionier der ökologischen Bodenpflege
  • Bio-Demonstrationsbetrieb vor den Toren Münchens

Ökologische Landwirtschaft aus Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen

Kalb am Biolandhof Braun

Vor den Toren Münchens liegt der Biolandhof Braun. Der ehemalige Familienbetrieb wird inzwischen als Hofgemeinschaft von Irene und Josef Braun, ihrer Tochter mit ihrem Partner und einer weiteren jungen Familie bewirtschaftet. Die Brauns entschieden sich bei der Umwandlung des Betriebs nicht zum ersten Mal für einen alternativen Weg. Bereits zwei Jahre nach der Übernahme des damals noch konventionell bewirtschafteten Hofs von seinen Eltern begann Josef Braun mit der pfluglosen Bodenbearbeitung. Die Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft nach Bioland-Kriterien im Jahr 1988 war die Konsequenz einer Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit. Sie hatte mehrere Motivationen. Zunächst sind die Brauns geprägt von einem katholischen Weltbild, demzufolge der Mensch Teil der Schöpfung ist, mit der er sorgsam umgehen muss. Klima- und Artenschutz betrachten die beiden auch als elterliche Verantwortung für ihre vier Töchter. Den entscheidenden Anstoß gab schließlich das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986, das viele zum Engagement für Umweltschutz veranlasste. Da die Brauns immer über ihren Tellerrand bzw. den eigenen Weidezaun schauen, änderte sich mit der Umstellung des Betriebs auch die Ernährung der Familie. Ökologische Landwirtschaft bedeutet für Irene und Josef Braun mehr als die Produktion hochwertiger, gesunder Lebensmittel. Sie ist ein Weg, um die Welternährung zu sichern, die Biodiversität zu bewahren und die Klimaerhitzung zu stoppen, sogar umzukehren.

Leidenschaftlicher Praktiker und Forscher

Biolandhof Braun

Auf den 58 Hektar Ackerfläche und 17 Hektar Dauergrünland ist nicht nur eine hohe Agrobiodiversität geboten, weil die Brauns auf geschlossene Nährstoffkreisläufe setzen, die nur mit einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren funktionieren. Deshalb säumen Agroforststreifen mit Pappeln, Weiden und Erlen die Äcker. Diese Bäume binden zum einen das CO2 aus der Luft, zum anderen liefern sie das Holz für die Erzeugung des Stroms für den Betrieb in der hofeigenen Holzgasanlage. Neben Getreide und Wiesenkräutern, die auch zur Saatgutgewinnung kultiviert werden, umfasst der Betrieb 22 Milchkühe (mit Hörnern), einige Schweine sowie Hühner der Zweinutzungsrasse Le Bleau. Die Grenzen zwischen den einzelnen Betriebsbereichen sind durchlässig. Da tummeln sich die Schweine bei den Kühen, die Hühner picken in den Streuobstwiesen und im Agroforst, pflegen und düngen diese nebenbei. Auch die Menschen am Hof gehen unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Eine Käserin verarbeitet die frische Rohmilch in der Hofkäserei, den alten, umgebauten Kuhstall bespielt die Tochter Johanna Braun mit Bio-Gastronomie und Kultur. Josef Braun, der seine Erkenntnisse über die ökologische Landwirtschaft nicht allein aus Lehrbüchern und der neuesten Forschungsliteratur, sondern vor allem aus der Erfahrung und dem Experimentieren gewinnt, ist ein gefragter Referent. Wenn er nicht bei der Feldarbeit ist, trifft man ihn u.a. als Vortragenden bei Fachkonferenzen, als Bodenbotschafter auf der Expo 2015 in Mailand oder als Vorstand der Bioland-Stiftung. Der Hof dient u.a. den Studierenden der Agrarwissenschaft und der Landesanstalt für Landwirtschaft als „Reallabor“. Das kommt der Überzeugung von Josef Braun entgegen, dass die Wissensproduktion der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und der Praktiker/innen zusammengeführt werden muss, um Einseitigkeiten zu verhindern.

Vielfalt statt Monokultur

Josef Braun bei der Feldarbeit

Bodenfruchtbarkeit ist das Thema, dem sich Josef Braun mit Leidenschaft und einem langen Atem widmet. Sein Ziel formuliert er so: „Ich möchte erreichen, dass meine Ackerböden genauso fruchtbar sind wie natürliche Waldböden, die seit Jahrtausenden ohne menschliches Zutun unglaublich viel Biomasse-Wachstum haben.“ Auf den Pflug verzichtete er deshalb schon früh. Auch Bodenlockerung und Unkrautbekämpfung passen nicht zu seiner Methode, die er aus der genauen Beobachtung von Pflanzen und Bodenlebewesen entwickelte. Stattdessen minimiert er das Beikraut auf seinen Äckern durch einen konsequenten Fruchtwechsel und den klugen Einsatz von Mischkulturen und Untersaaten. Für die Bodenlockerung und Düngung sind hauptsächlich die Würmer zuständig, die er mit Sorgfalt pflegt. Dazu gehört, dass Braun auf schweres Ackergerät verzichtet, Äcker und Wiesen nur befährt, sobald die Würmer sich in tiefere Bodenschichten zurückziehen, und aromatische Wiesenkräuter wie Spitzwegerich, Kümmel, Möhre und Wiesenknopf als Wurmfutter sät. Diese Maßnahmen führen zu einem enorm hohen Wurmbesatz: Mehr als 300 Würmer pro Quadratmeter befinden sich auf seinen Äckern. Dafür ist der Bio-Bauer aus Dürneck im deutschsprachigen Bereich bekannt. Auf durchschnittlich 16 Würmer pro Quadratmeter bringen es die meisten konventionellen Landwirte. Die verkannten Bodenlebewesen sind Indikatoren für die Bodenfruchtbarkeit. In einem überdüngten, verdichteten Acker finden sie weder genügend Raum noch Nahrung für sie. In einem schonend bearbeiteten Boden stellen sie hingegen den Pflanzen wertvolle Nährstoffe zur Verfügung.

Partnerschaft von Mensch und Natur

Josef Braun

Nicht nur mit den Würmern „kooperiert“ Josef Braun. Die Laubbäume, die der Bio-Pionier in Reihen zwischen die Äcker pflanzt, die reichhaltigen, gut durchwurzelten Wiesen, Mischkulturen, Untersaaten und Zwischenfrüchte schützen vor Erosion. So geht kein Krümel wertvollen Oberbodens verloren. Zudem sorgen Bäume und Hecken für ein gutes Mikroklima, ihre Blätter dienen als Dünger. Auch bei den Nutztieren auf dem Biolandhof Braun steht die Gesundheit an erster Stelle, nicht ihre Leistungsfähigkeit. Die Milchkühe verfügen über einen großzügigen Stall mit Auslauf hinter dem Hof. Gefüttert werden sie ausschließlich mit Heu von den artenreichen Wiesen, das zur Blüte schonend geschnitten wird. Eine energieeffiziente Warmlufttrocknung sorgt dafür, dass die Nährstoffe der Kräuter erhalten bleiben. Brauns ausgeklügeltes ganzheitliches System berücksichtigt die jeweiligen Bedürfnisse von Pflanzen, Tieren und Menschen. Die industrielle Landwirtschaft, die auf den Prinzipien des ständigen Wachstums, des technischen Fortschritts und der absoluten Naturbeherrschung beruht, hält Josef Braun hingegen für steinzeitlich. Dennoch wehrt er sich dagegen, dass die Bauern und Bäuerinnen derzeit für die Klimaerhitzung verantwortlich gemacht werden. Hier sieht er vielmehr die fehlgesteuerte Agrarpolitik in der Pflicht. Der politisch agierende Bio-Bauer betrachtet sich deshalb als Vermittler zwischen den ökologischen und den konventionellen Landwirt/innen. Mit seinen Vorträgen und seiner Praxis will er seine Kolleg/innen überzeugen und ermutigen. Anstatt sich auf dem Erreichten auszuruhen, kämpft Josef Braun weiter für die Zukunft der besseren (ökologischen) Landwirtschaft. Wenn diese auf Vielfalt, Partnerschaftlichkeit und Nachhaltigkeit beruht, hat sie nämlich das Potenzial, verlorenen Boden gut zu machen.

Der Filmemacher Bertram Verhaag hat 2007 einen sehenswerten Film über den Ausnahme-Bauern gedreht: Der Bauer mit den Regenwürmern.