Wer die Saat hat...

Bild: Saatgut-Varietät, cc Arn: Semences de différentes espèces

… hat das sagen

Dass Saatgut ein Schlüssel des ökologischen Landbaus ist, wurde vielen Bio-Gärtner/innen und Landwirt/innen bereits in den 1980er Jahren bewusst. In dieser Zeit traten die Hybridsorten ihren Siegeszug an. Gefeiert wurden diese als Garant für reiche Erträge, effiziente Ernten und gleichmäßige Produkte. Die Schattenseite: Sie haben eine Art züchterischen „Kopierschutz“, denn Hybridsorten sind nicht nachbaufähig. Die Bäuerinnen und Bauern können diese Sorten nicht zur eigenen Saatgutgewinnung nutzen oder gar weiterzüchten, um sie an die jeweiligen Boden- und Klima-Verhältnisse anzupassen, sondern müssen stets neues Saatgut kaufen. Die Zucht von hybridem Saatgut ist zudem so aufwendig und teuer, dass nur große, meist transnational agierende Saatgut-Unternehmen sie durchführen. Die Folge davon ist die Konzentration von wenigen, kommerziellen Anbietern auf dem Markt. So dominieren allein die drei größten Unternehmen, Bayer (Monsanto), DuPont (Pioneer) und ChemChina (Syngenta), über die Hälfte des internationalen Saatgut-Marktes und bestimmen damit auch die Preise. Das Versprechen auf höhere Erträge und Arbeitszeitersparnis hat dazu geführt, dass Hybridsorten vor allem im konventionellen Gemüseanbau die samenfesten Sorten weitgehend verdrängt haben. Dieser flächendeckende Einsatz zieht eine Abhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern von der Saatgut-Industrie nach sich. Die Varietät des samenfesten Saatguts hingegen, die den Bäuerinnen und Bauern größere Souveränität bietet, wird zurückgedrängt. Die Patentierungen auch von Pflanzen, die nicht gentechnisch verändert wurden, treibt diese Entwicklung voran. Dadurch nimmt die Agrobiodiversität drastisch ab. Übrig bleiben wenige Sorten, die überall auf der Welt angepflanzt, gehandelt und verbraucht werden.

Saatgut ist Kulturgut

In den 1980er Jahren gründete eine Gruppe engagierter Demeter-Gärtner/innen im Wetteraukreis den „Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau“. Dieser begann damit, Saatgut von samenfesten Sorten aus biologischer und biologisch-dynamischer Vermehrung zu erzeugen. Dafür mussten sich die Demeter-Gärtner/innen das Wissen über Saatgutvermehrung im Gemüsebau unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus erst aneignen. Den Saatgutvertrieb übernahm zunächst die Allerleirauh GmbH der Werkstätten der Bingenheimer Lebensgemeinschaft. 2001 wurde schließlich eine eigenständige Firma für den Saatgutbereich gegründet, die Bingenheimer Saatgut AG. Die Züchter/innen, die nach wie vor im Initiativkreis zusammengeschlossen sind, stehen immer noch in einem engen Verhältnis zum heutigen Vertrieb. Diese Form der Kooperation auf Augenhöhe ist in der Saatgutbranche selten, denn gewöhnlich diktieren die Saatgutkonzerne die Bedingungen. Auch die bäuerliche Saatgutproduktion im deutschsprachigen Raum ist selten. Meist wird in industriellem Maßstab in Ländern mit niedrigen Löhnen und optimalen klimatischen Bedingungen produziert. Die Sorten werden entsprechend für den universellen Einsatz in der exportorientierten Agrarindustrie getrimmt. Regionale Anpassung und Vielfalt sind dabei nicht gefragt.

Um Entwicklungen wie Privatisierung, Monopolisierung und Patentierung von Saatgut eine Alternative entgegenzusetzen, wurde 1994 aus dem Initiativkreis der gemeinnützige Kultursaat e.V. gegründet, der die Züchtungsforschung und Kulturpflanzenentwicklung auf biologisch-dynamischer Grundlage unterstützt. Der Verein betrachtet Saatgut als Grundlage unserer Ernährung und damit als erhaltenswürdiges und schutzbedürftiges kulturelles Gut der Menschheit.

Bienenfutter und Gaumenschmaus

Saatgutsouveränität und Vielfalt beginnen im Garten oder auf dem Balkon. Deshalb haben wir auch heuer wieder eine Liste mit verschiedenen Samentüten und -paketen von der Bingenheimer Saatgut AG für Sie zusammengestellt. Neben insektenfreundlichen Blumen und Kräutern finden Sie im Shop der Isarland Ökokiste auch außergewöhnliche Gemüsesorten wie Spaghettikürbis, Kletterspinat oder Edamame. Fürs einfache Gärtnern gibt es Saatgut-Boxen. Und fürs spielerische Verbreiten von vielfältigem Grün haben wir die beliebten Seedballs im Sortiment. In allen Samentütchen befindet sich samenfestes Saatgut.

Bild: cc Arn: Semences de différentes espèces

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