Regionaler Bio-Rosenstrauß von Julia Laurer, Foto: Tagwerk Ökokiste

Rosen gehören zu den beliebtesten Blumen der Deutschen. Und längst haben wir uns daran gewöhnt, dass sie zuverlässig das ganze Jahr in Super- und Baumärkten zu kleinen Preisen verfügbar sind. Gleich lang, gleich groß, gleichförmig abgepackt in Plastikfolie sind Rosen zum alltäglichen Konsumprodukt geworden. Das Vergnügen daran dauert meist nicht länger als ein paar Tage, dann landen die verwelkten Blumen im Müll. Nicht so schlimm, die Investition war ja nicht so groß. Allerdings fordert diese Weise des saisonunabhängigen Rosenkonsums und der Rosenproduktion abseits von der Supermarktkasse hohe Preise.

Wo und von wem müssen diese Preise gezahlt werden? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn es handelt sich um ein globales und historisches Phänomen. Die Globalisierung des Blumenhandels lässt sich auf das 16. Jahrhundert zurückführen, als holländische Händler von ihren umfangreichen Seereisen Tulpenzwiebeln aus dem Osmanischen Reich nach Westeuropa brachten. Der Mythos von der „Tulpenmanie“, der durch die überzogene Spekulation mit Tulpenzwiebeln 1637 zu dem ersten Börsencrash führte, wird gerne ins Feld geführt, wenn rasant steigende Preise z.B. auf dem Immobilienmarkt zu einer Spekulationsblase zu führen drohen. Seither ist Holland mit der wichtigsten Blumenbörse in Aalsmeer, wo die weltweit größte Blumenversteigerung stattfindet, das Zentrum des globalen Blumenhandels.

Rosen aus Amsterdam: weniger Chemie, mehr Energie

In Holland wird auch ein Großteil der Schnittblumen produziert, die in Deutschland konsumiert werden. Die holländischen Gewächshäuser können als Blumenfabriken bezeichnet werden. Denn mit innovativen technischen Mitteln werden hier saisonunabhängig ideale Bedingungen für das schnelle, gleichmäßige Wachstum der Rosen erzeugt: genügend Wärme, Bewässerung und Helligkeit. Wie in Monokulturen üblich, besonders bei so krankheitsanfälligen Pflanzen wie Zierrosen, muss für die Schädlingsregulierung ein hoher Aufwand betrieben werden. Neben der bevorzugten schonenden Methode durch den Einsatz von Fressfeinden, wird auch auf Pestizide zurückgegriffen. Der maßvollere Umgang mit Chemikalien und die kürzeren Transportwege sprechen zunächst für die holländische Rosenproduktion. Dem steht jedoch der hohe ökologische Preis des übermäßigen Energieverbrauchs entgegen, um konstant Verhältnisse wie im Sommer herzustellen.

Unter der Sonne Afrikas blühen Rosen und Missstände

Deshalb landen auf der holländischen Blumendrehscheibe Rosen aus südlichen Gefilden an, wo das ganze Jahr „Sommer“ ist: Kolumbien und Ecuador, Tansania, Uganda, neuerdings auch Äthiopien. Über die Hälfte der Rosen stammt allerdings aus Kenia, das ostafrikanische Land erwirtschaftet sogar einen Großteil seines Bruttoinlandsprodukts damit. Kenia bietet durch seine Äquatornähe stabile klimatische Bedingungen für die Massenproduktion von Rosen. Der RAnbau konzentriert sich im Wesentlichen auf das Gebiet um den Naivasha-See, nahe Nairobi. An dem Hotspot für Biodiversität, wo früher einige tausend Massai mit ihren Herden lebten, versperren nun riesige Treibhauslandschaften den Zugang zum See. Mehrere tausend Arbeiter/innen, die für einen Hungerlohn Rosen pflanzen, düngen, schneiden, ernten oder entdornen, hausen ringsum in ärmlichen Siedlungen. Die prekären Arbeitsbedingungen, Gesundheitsbelastungen durch Pestizideinsatz und fehlender Arbeitsschutz sind der Preis, den die Rosenfabrikarbeiter/innen zahlen müssen. Die Anwohner/innen der Region zahlen den Preis, dass die umliegenden Wälder für die neuen Siedlungen abgeholzt und das Wasser des Naivasha-Sees verschmutzt und übermäßig für die Blumenproduktion verbraucht wird.

Fairtrade steht für bessere soziale Bedingungen, löst aber das Transportproblem nicht

Bessere Arbeits- und Gesundheitsschutzbedingungen, feste Verträge, Verzicht auf Kinder- und Zwangsarbeit, existenzsichernde Löhne, Verzicht auf die giftigsten Pestizide sowie einen verantwortungsvolleren Umgang mit natürlichen Ressourcen bietet seit den 1990er Jahren die Handelsinitiative „Fairtrade“. Sie arbeitet mit örtlichen Produzenten zusammen und sorgt für den Bau von Schulen, die Förderung von Aus- und Fortbildung und HIV-Präventionsmaßnahmen. Die so erzeugten Rosen kosten weniger Menschenleben, aber einen höheren Preis im Handel. Der hohe ökologische Preis, der durch den Luftfrachttransport entsteht, muss jedoch auch bei Fairtrade-Rosen bezahlt werden.

Regionale Bio-Rosen: Alles zu seiner Zeit

Hier kommt eine weitere Alternative ins Spiel: regional angebaute Bio-Rosen. Sie werden nach den Richtlinien der entsprechenden ökologischen Anbauverbände erzeugt. Das bedeutet in erster Linien den Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Im besten Fall wachsen sie im Freiland und verbrauchen damit wenig Energie. Der Preis? Die ökologische Rosenzucht in unserem Klima benötigt viel Zeit, innerhalb von drei Jahren wachsen die Pflanzen heran. Die Rosen brauchen viel Platz, denn aufgrund des Fruchtwechsels, der den Boden gesund und fruchtbar erhält, müssen die Rosen über die Felder „wandern“, Zwischenfrüchte wie Leguminosen, die Nährstoffe im Boden anreichern, werden abwechselnd mit den Rosen gepflanzt. Zudem greifen die Bio-Rosenzüchter/innen auf andere, oftmals alte Rosensorten zurück, die unter den klimatischen Bedingungen besser gedeihen. Diese Rosen wachsen vielleicht nicht so gleichförmig, sind aber kräftiger und robuster, sie entwickeln oftmals stärkere, aromatischere Düfte als ihre Verwandten aus der Blumenfabrik. Vor allem die Klimabilanz dieser Rosen ist am günstigsten von allen Anbaumethoden. Wir müssen an der Kasse ein wenig mehr Geld bezahlen und können sie auch nur während ihrer Saison genießen. Dieser Preis ist im Vergleich der kleinste.

Quellen und Links:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/blumen-aus-der-dritten-welt-die-rosenfabriken-1.3318309

http://www.diercke.de/content/naivasha-kenia-rosenanbau-f%C3%BCr-den-eu-markt-978-3-14-100800-5-269-3-1?&stichwort=kenia

http://www.wwf.de/themen-projekte/fluesse-seen/wasserverbrauch/afrikas-blumenindustrie-graebt-sich-selbst-das-wasser-ab/

https://www.oekolandbau.de/verbraucher/erleben/gaertnern/rosen-in-bioqualitaet/

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/rosen-100.html

http://www.spiegel.tv/videos/126639-die-rosen-story

mb, Foto: Britta Wachsmuth

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