Die samenfeste Möhre Milan

 

Ab und zu lesen Sie bei den Obst- und Gemüsesorten der Isarland Ökokiste den Zusatz „samenfest“. Er bezeichnet eine Züchtungsmethode, die vor allem im ökologischen Landbau geschätzt und gefördert wird. Das natürliche Prinzip der Fortpflanzung besteht darin, dass Pflanzen Samen ausbilden, aus denen im nächsten Jahr neue Pflanzen wachsen, deren Eigenschaften ähnlich sind. So wird der Fortbestand der Pflanzen gesichert. Dabei kann es auch zu Mutationen kommen, durch die neue Pflanzenarten entstehen.

In der Geschichte der Pflanzenzucht ist dieses Potenzial genutzt wurden, um bestimmte Eigenschaften von Kulturpflanzen zu fördern bzw. zu unterdrücken. Die meisten unserer Obst- und Gemüsesorten sind so entstanden. Anstelle der Pflanzenzucht durch natürliche Selektion, die regional angepasste, genetisch vielfältige und samenfeste Sorten hervorgebracht hat, sind inzwischen neue Zuchtmethoden wie Hybridzucht oder Agrogentechnik getreten. Dadurch ist die natürliche Fortpflanzung keine Selbstverständlichkeit mehr. Die meisten konventionellen Landwirte verwenden mittlerweile Hybridsaatgut. Hybridsorten entstehen, wenn zwei hochgezüchtete Inzuchtlinien miteinander gekreuzt werden, um eine besonders leistungsstarke, einheitliche und damit gewinnversprechende Generation von Pflanzen hervorzubringen. Ziel ist dabei der sogenannte Heterosis-Effekt, bei dem die Leistungsfähigkeit der Kindergeneration die der Elterngeneration übersteigt.

Diese Züchtungsmethode bewirkt jedoch auch, dass sich die Eigenschaften dieser F1-Hybriden nicht auf die folgende Generation übertragen. Die Pflanzen aus deren Saatgut entwickeln sich uneinheitlich oder nur sehr schwach. Die Landwirte müssen deswegen ständig neues Hybridsaatgut kaufen. Dadurch entsteht eine enorme Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen, die ihre Hybridsorten patentieren lassen. Der Preis des Saatguts kann zumindest in den westlichen Ländern (noch) durch die Ertragssteigerung aufgewogen werden, deshalb greifen viele Landwirte darauf zurück. Bei der Möhre ist beispielsweise der Anteil an Hybridsorten von 1985 bis 2005 von 43% auf 81% gestiegen.

Gegen die Saatgutabhängigkeit: Züchtung samenfester Sorten

Mittlerweile entwickelt sich im Ökolandbau eine starke Gegenbewegung zur Patentierung des Saatguts und der damit geschaffenen Abhängigkeit. Verschiedene Züchtungsvereine, Landwirte und Unternehmen haben sich der Züchtung samenfester Sorten angenommen. Diese Sorten ermöglichen den Landwirten, ihr eigenes Saatgut zu gewinnen und damit unabhängig Gemüse anzubauen. Zusätzlich leistet die ökologische Züchtungsarbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Ausbau der biologischen Vielfalt. Für die Züchtung hochwertiger und ertragsbringender, samenfester Sorten bauen Landwirte auf ihren Betrieben die Zuchtsorten an. Während des Wachstums beurteilen sie regelmäßig die Entwicklung der Pflanzen nach festgelegten Selektionskriterien. Zu den Kriterien gehören immer der Geschmack und beispielsweise das Wachstum, die Form oder die natürliche Widerstandsfähigkeit der Pflanze. Von diesen selektierten Pflanzen gewinnen die Züchter das Saatgut und wiederholen diesen Prozess bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. So entsteht über mehrere Jahre eine neue Sorte. Der Selektionsprozess der Möhrensorte Milan dauerte beispielsweise sieben Jahre, bis die Sorte 2005 in das Bundessortenregister eingetragen wurde.

Möhre Milan vom Obergrashof

Auch der Obergrashof engagiert sich in der ökologischen Saatgutforschung für den Verein Kultursaat. Mit über 100 Hektar Freilandfläche und 1500 m² Folienanbau verfügt der Obergrashof über reichlich Fläche für den Anbau von Gemüsepflanzen. Neben der Möhrensorte Milan kultiviert der Betrieb samenfesten Blumenkohl, Chicorée, Kohlrabi und Rettich. Für den Betriebsleiter Julian Jacobs ist die Züchtungsarbeit essentiell, um die Nahrungsgrundlage zu sichern. Mit der Möhre Milan hat sich die Gärtnerei für eine Sorte entschieden, die sich durch ihren aromatischen Geschmack von den Hybridsorten abgrenzt. Weitere Selektionskriterien bei der Züchtung der Milan waren eine schöne orange Farbe und glatte Schale sowie eine gute Laubgesundheit, damit die Sorte eine schöne Bundmöhre wird. Durch den saftig, ausgewogen-süßlichen Geschmack eignet sich die Sorte hervorragend zum rohen Verzehr. Möchten Sie sich von der Sorte überzeugen, so probieren Sie diese Woche die Bundmöhren des Obergrashofs bei uns!

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