Der wahre Preis des Essens

Infografik: externe Kosten (c) Tollwood GmbH 2018

Manche Preisgestaltung wirkt unrealistisch. Besonders bei konventionell erzeugten Fleischprodukten sind die niedrigen Preise oft verwunderlich, denn die Kosten dafür sind höher. Da stellt sich die Frage: Wer zahlt diese Kosten?

Wissenschaftler/innen der Universität Augsburg präsentierten letzte Woche in München die Ergebnisse ihrer Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“, die von der Tollwood GmbH für Kultur- und Umweltaktivitäten und der Schweisfurth Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Ziel der Untersuchung war, die tatsächlichen Kosten der Lebensmittel zu evaluieren, die bei deren Produktion entstehen. Dabei handelt es sich um die Folgekosten der ökologischen Schäden, die in der deutschen Landwirtschaft verursacht werden. Diese scheinen nicht im Ladenpreis auf, sondern müssen von den Bürger/innen, unabhängig von deren Konsumentscheidungen, kompensiert werden. Weil je nach Lebensmittelkategorie und Produktionssystem unterschiedliche Kosten entstehen, kommt es zu teilweise erheblichen Marktpreisverzerrungen.

Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch verursachen hohe Kosten

Betrachtet wurde in der Studie der komplette Lebensweg eines Produkts, von der Energie- und Rohstoffgewinnung bis hin zu den Transportsystemen, um den wahren Erzeugerpreis zu eruieren. Dabei haben die Wissenschaftler/innen errechnet, welche Kosten die drei maßgeblichen Treiber des Klimawandels in diesem Prozess verursachen: Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch. So konnten sie eine eklatante Differenz zwischen den verursachten Kosten und dem Erzeugerpreis nachweisen. Vor allem bei konventionell hergestellten Produkten tierischen Ursprungs ist die Kluft groß. Würde man deren tatsächliche Kosten zur Preisgrundlage machen, müsste ein Aufschlag von 196% auf die Erzeugerpreise gezahlt werden. Die zweithöchsten Aufschläge ergeben sich für konventionell hergestellte Milchprodukte (96%). Erklären lassen sich die hohen externen Kosten bei der konventionellen Fleisch- und Milcherzeugung durch die energieintensive Aufzucht der Tiere, hohen Stickstoffeinträge und Treibhausgasemissionen.

Pflanzliche Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung schneiden am besten ab

Die niedrigsten externen Kosten entstehen bei der Erzeugung von Bio-Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs (6%). In allen untersuchten Kategorien verursachen ökologisch hergestellte Lebensmittel geringere Folgekosten als ihre konventionellen Entsprechungen. Die Gründe dafür sind der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger beim Pflanzenanbau und der geringere Einsatz von industriell produziertem Kraftfutter in der Nutztierhaltung.

Höhere Kosten durch Antibiotika und Pestizide

Würde man die externen Effekte von weiteren Hauptverursachern von Umweltschäden, wie den Einsatz von Pestiziden und (Reserve-)Antibiotika in diese Rechnung miteinbeziehen, müsste man von weiteren Aufschlägen ausgehen. Dafür fehlen allerdings die Daten, auf deren Basis man diese Metastudie erweitern könnte. Die detaillierte Auflistung von Schäden und deren Kosten sowie die Zuweisung zu den Verursachern ist mehr als ein Zahlenspiel. Sie könnte die Grundlage für eine gerechtere Preisgestaltung sein, die dem 1992 in der „Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung“ festgelegten Verursacherprinzip (Grundsatz 16) entspräche. Diese sieht vor, dass Umweltkosten internalisiert werden sollten und die Verursacher von Verschmutzung deren Kosten zu tragen hätten.

Kostentransparenz und Verursacherprinzip schaffen mehr Gerechtigkeit

Die Kostentransparenz und das Einpreisen der sozialen und ökologischen Kosten würden zu einer völlig neuen Preisgestaltung führen. So geht Stephanie Weigel von der Tollwood GmbH davon aus, dass die derzeitige Externalisierung dieser Kosten zu einer übermäßigen Belastung der Allgemeinheit und Benachteiligung der Bio-Landwirtschaft bedeutet: „So werden die Verbraucher an der Nase herumgeführt. Wenn die Lebensmittel im Supermarkt mit dem wahren Preis ausgezeichnet wären, würden viel mehr Menschen zu Bio-Produkten greifen, die dann kaum mehr teurer wären als konventionell erzeugte.“

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Infografik (c) Tollwood GmbH 2018

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